Was macht den Griechischunterricht so unverwechselbar?

Die Griechen sind Weltmeister im Denken in Antithesen; 
dies zeigt sich unter anderem auch daran, daß sich oft Wortbedeutungen gegenseitig ausschließen.Wer sein Leben jenseits aller Ideologie in Freiheit bestimmen will,ist auf ein Denken in Antithesen angewiesen; denn ich muß mich in die Position meines Gegenübers versetzen können.

Die in den Texten vertretene Ansicht mag der Leser durchaus ablehnen, aber  erst nach einer intensiven Auseinandersetzung damit. Griechischschüler beziehen Stellung!

6Thukydides,ein, vielleicht der Historiker der (griechischen) Antike arbeitet in seinem Werk die Doppelbühne der Macht heraus; das (harmlose) Geplänkel der Tagespolitik auf der Vorderbühne,das eigentliche machtpolitische Geschehenauf der Hinterbühne; das Durchschauen dieses Umstandes schafft nicht unbedingt überall Freunde! 

Man muß nicht Griechisch lernen, man darf es (noch): 
„Meine junge Tochter fragt mich oft `Griechisch zu lernen wozu` sympathein sage ich, eine menschliche Fähigkeit, die Tieren und Maschinen abgeht. 

Lerne konjugieren, noch ist Griechisch nicht verboten.“

                                                               (D. Sölle)

Mit Griechisch kann man sich nicht beschäftigen,ohne vom  Freiheitsdrang der Griechen angesteckt zu werden. Bis heute dürfte es nicht ganz leicht sein, die Berichte über die Umstände der Schlachten gegen die Perser ohne innere Anteilnahme zu lesen; wie sich da ein Völkchen aus mehreren politischen Gebilden gegen eine Invasionsarmee mehrmals zur Wehr setzt und wider Erwarten gewinnt.

Für Griechisch warb früher H.von Hentig mit dem Argument, es müsse doch ein Schulfach geben, in dem „der Mensch mehr zum Widerstand als zur Anpassung,mehr zur Einsicht als zur Information [,...] erzogen wird, mehr zu Antigone als zu Kreon.“