Wie sieht hebräische Schrift aus, die man von rechts nach links liest? Frau Heinemann, können Sie Griechisch lesen? Hey,
kommt mal her, habt ihr die coolen bunten Anfangsbuchstaben in der Gutenberg-Bibel gesehen? Ist die gedruckte Lutherbibel
von 1544 wirklich echt und was sind das für Kügelchen am Rand mancher Seiten? Wer hat handschriftliche Spuren in dieser
Bibel hinterlassen? Wie fühlt sich

500 Jahre altes Papier an?

Was kostete das damals teuerste Buch, was kostete das Evangeliar Heinrichs des Löwen vor 30 Jahren? Wo war es, bevor es nach Wolfenbüttel kam? Wie hält das Gold auf den Seiten? Fragen über Fragen beschäftigten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 aus der Großen Schule, die mit Ihrer Lehrerin Frau Heinemann am vorletzten Schultag vor den Weihnachtsferien die Herzog August Bibliothek besuchten. Obwohl die freie Zeit zum Greifen nah war, waren die Schülerinnen und Schüler mit großem Eifer bei der Sache und erfrischend neugierig auf Bibelausgaben in verschiedenen Sprachen und aus vergangenen Zeiten. Von den gedruckten Frakturbuchstaben der originalen Lutherübersetzung ließen sie sich nicht abschrecken. Vielen gelang es, Teile des alten Druckes zu entziffern. Dabei half ihnen, dass sie den Text „Es begab sich aber zu der Zeit …“ anhören und zugleich das alte Druckbild dabei sehen konnte.
Und überhaupt wussten die Schülerinnen und Schüler gut Bescheid über die lukanische Weihnachtsgeschichte. Sie erkannten auf einer Miniatur aus dem Evangeliar die Szene der Hirtenverkündigung und den lateinischen Ausspruch des Engels: „Gloria in excelsis deo“, und bei der Szene von der Darbringung des Jesuskindes im Tempel konnte jemand sogar die Bedeutung der zwei Tauben als Auslöseopfer für Marias erstgeborenen Sohn erklären.
HAB Dez2013 2 kleinEinen Höhepunkt stellte der Blick auf das derzeit in der Augusta präsentierte Original des Evangeliars aus den 1180er
Jahren dar, das auf den aufgeschlagenen Seiten den Stammbaum Jesu und zwei Szenen mit den Heiligen drei Königen zeigt.
Schule und Bibliothek freuten sich am Ende über eine sehr gelungene Veranstaltung und waren sich einig darüber, dass es
wünschenswert wäre, wenn es auch in Zukunft wieder eine Weihnachtsveranstaltung mit alten Büchern geben würde.
Frank Stuhlmann